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BURSCHEID

Erklärungen hinter verschlossenen Türen
Jugendparlament:Angekündigte Pressekonferenz wurde zur Nicht-öffentlichen Sitzung.
Burscheid. Gespannt warteten am Freitagabend die Vertreter von Politik und Stadtverwaltung, angeführt von Bürgermeister Hans Dieter Kahrl, auf die Stellungnahme des Jugendlichen, der durch seine Verbindung zur rechtsradikalen "Kameradschaft Nationaler Sozialisten" mit einer entsprechenden Homepage vergangene Woche eine ganze Stadt in Aufruhr versetzt hatte. Das Jugendparlament (Jupa), bei dem der 16-Jährige bis zu seinem Rücktritt tätig gewesen war, hatte zu einem Austausch zwischen Jungparlamentariern und den politischen Organen der Stadt geladen. Doch bevor der Burscheider nach einer einführenden Stellungnahme des Jugendparlaments zum Thema das Wort ergriff, wurde die als Pressekonferenz angekündigte Veranstaltung kurzerhand zu einer Nicht-öffentlichen Sitzung umdeklariert.

Nicht nur die Pressevertreter, sondern auch alle anderen hauptsächlich jugendlichen Besucher, die keiner Partei angehörten, wurden auf Wunsch des 16-Jährigen herausgebeten. Somit bleiben die Beweggründe des Jugendlichen zumindest für die Öffentlichkeit ungeklärt.

Aufgeflogen war die fünfköpfige "Kameradschaft", die sich erst im August dieses Jahres gegründet hatte, als sie einen Zeitungsbericht über das alte Stauwehr im Eifgental samt Fotos für ihre Homepage missbraucht hatte. Das Hakenkreuz aus der NS-Zeit, das am Gemäuer des Wehres angebracht ist, wird in dieser Woche entfernt (wir berichteten). Somit will man verhindern, dass dort eine Pilgerstätte für Neonazis entstehen könnte. Der Schüler sprach im Nachhinein von einer "Riesendummheit", die er begangen habe. Die Kameradschaft habe sich inzwischen aufgelöst, die brisante Homepage wurde aus dem Internet verbannt.

Der Vorsitzende des Jugendparlaments, Daniel Jagla (Jusos), sprach sich wie seine Parlamentarierkollegen entschieden gegen Rechtsradikalismus aus. In einer Präsentation verdeutlichten die Nachwuchs-Politiker ihre Haltung mit Leitsprüchen wie "Nazis lösen keine Probleme, sie schaffen sie erst" oder "Schweigen sehen die Rechten als Unterstützung".

Auch ging das Jupa auf die Situation der Jugendlichen in Burscheid ein und wies in Anwesenheit des Bürgermeisters auf ein fehlendes Jugendzentrum im Innenstadtbereich hin. Durch Aktionen und Demonstrationen wolle das Jugendparlament vorbeugen und auch dafür sorgen, dass bereits in die rechte Szene abgedriftete Jugendliche aus diesen Gruppen herauskommen können.

16.10.06
Von Benjamin Schulz
 
 
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